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Friedrich Max Müller

Der deutsche Indologe und Sprachwissenschaftler Friedrich Max Müller wurde 1823 in Dessau geboren und gilt als einer der Begründer der modernen Religionswissenschaft. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs Müller bei einem Freund der Familie auf. Ebenso wie in seinem Elternhaus legte man auch hier großen Wert auf eine musische Ausbildung und so schlug sich Müllers kulturelles Interesse später in Übersetzungen deutscher Klassiker ins Englische und eigenen Gedichten nieder.

Im Anschluss an sein Abitur studierte Müller in Leipzig klassische und neue Sprachen, Psychologie und Ethnologie – später auch Sanskrit und Religionsgeschichte. Bereits nach drei Jahren wurde er in Leipzig promoviert. Während seines Studiums entdeckte er seine Begeisterung für Indien. Über Berlin gelangte er dann nach Paris, wo er beeinflusst durch seinen Lehrer Eugéne Burnouf die Entscheidung traf, den Rigveda mit Kommentaren des indischen Philosophen Sayana zu veröffentlichen (1869). Um dieses Projekt realisieren zu können, zog es Müller nach London. Dort fand sich mit der Englischen Ostindien-Kompanie ein Geldgeber für das Projekt, was einen langfristigen Aufenthalt von Müller in England ermöglichte und ihm zunächst eine Professur für neue Sprachen und Literaturen an der Universität Oxford einbrachte. 1868 übernahm er dort den neu gegründeten Lehrstuhl für vergleichende Religionswissenschaft. Friedrich Max Müller reiste selbst nie nach Indien. Er starb 1900 in Oxford.

Neben der Übersetzung des Rigveda zählt die Reihe „Sacred Books of the East“ (1875), in welcher die wichtigsten „heiligen“ Schriften Asiens übersetzt sind, zu Müllers bedeutendsten Werken. Beeinflusst durch die Romantik war sein Interesse auf die Erforschung der unverfälschten Frühzeit menschlicher Religion und die Freilegung einer Urreligion gerichtet. Müller war der Ansicht, dass der Ausgangspunkt für die Erforschung von Religion die sprachliche Erschließung der Quellen(texte) und ihre Klassifizierung sei. In der „Einleitung in die Vergleichende Religionswissenschaft“ (1874) vertritt er die These, dass „eine genealogische, mit den Sprachen parallel laufende Classifikation der Religion möglich ist“ (Müller 1874: III). Angelehnt an die vergleichende Sprachwissenschaft hielt er es für notwendig, Religionswissenschaft immer als Vergleichende Religionswissenschaft auszuüben und für das Christentum keine Ausnahme zu beanspruchen.

Dieser Ansatz ebnete die Idee für eine gemeinsame Basis aller Religionen. Diese Basis meinte Müller durch seine philologisch-komparatistischen Studien der „heiligen“ Schriften in einer allen Menschen gemeinsamen Erfahrung des Unendlichen im Endlichen gefunden zu haben.

In Müllers Werk findet sich oft der Gedanke der Weiterentwicklung der Religionen. Nach seiner Auffassung unterliegt die Geschichte der Menschheit einer Entwicklung, die mit der Sprache beginnt, sich in Mythen und schließlich in Religion fortsetzt und mit der letzten Stufe, der Philosophie, abschließt. Damit nahm er einen Gegenpol zur darwinistischen Auffassung ein, wenngleich jene Theorie Müllers Idee der Entwicklung von Religion und Mythologie beeinflusste.

Bereits zu Lebzeiten sah sich Müller einiger Kritik an seinen Arbeiten ausgesetzt. Vor allem seine Arbeiten zur Mythologie sind hier zu nennen. Müller versuchte mit Hilfe der etymologischen Untersuchung von Mythen eine authentische Religion freizulegen. Er nahm an, dass beispielsweise Götternahmen Bezeichnungen realer natürlicher Phänomene gewesen seinen, die im Laufe der Zeit von einer metaphorischen Deutung überlagert worden. Häufig erklärte er Mythen aus dem Lauf der Sonne, was ihm seit den 1880er Jahren den Spot seiner Zeitgenossen einbrachte. Vor allem aber die Kritik Andrew Langs an Müllers Mythologie führte dazu, dass die ungenügende Absicherung seiner Mythologie offengelegt wurde. Müllers Einfluss auf und seine Bedeutung für die Religionswissenschaft bis heute lässt sich aber beispielsweise an der weiteren Verwendung des Begriffs Henotheismus, den er in Auseinandersetzung mit den indischen Religionen entwickelte, zeigen. Zudem geht die sowohl in Deutschland als auch in Amerika lange Zeit weitverbreitete Disziplinbezeichnung „Vergleichende Religionswissenschaft“ auf Müllers Komposition der Religionswissenschaft zurück, die in seinem berühmten Zitat „Wer eine [Religion] kennt, kennt keine.“ (1874: 14) programmatisch angelegt ist.

Literatur

Bibliographische Auswahl:

  • Müller, Friedrich Max: .Rig-Ved-Samhita. The Sacred Hymns of the Brahmans, Oxford 1869.
  • Dersl.:.Einleitung in die Vergleichende Religionswissenschaft. Vier Vorlesungen, Straßburg,1874.
  • Dersl.: Sacred Books of the East, Oxford 1875.
  • Dersl.: Indien in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung, Leipzig 1884.

Sekundärliteratur:

  • Chaudhuri, Nirat C.: Friedrich Max Müller, Heidelberg 2008.
  • Hock, Klaus: Einführung in die Religionswissenschaft, Darmstadt 2006.
  • Kippenberg, Hans G.: Die Entdeckung der Religionsgeschichte. Religionswissenschaft und Moderne, München 1997.
  • Klimkeit, Hans-Joachim: Friedrich Max Müller (1823-1900). In: Michaels, Axel (Hg.): Klassiker der Religionswissenschaft. Von Friedrich Schleiermacher bis Mircea Eliade, München 2004. S. 29-40.
  • Schlender, Friedemann: Traumflieger ohne Landeplatz. Max Müller – eine deutsche Legende in Indien, Berlin 2000.
Letzte Änderung: 11.04.2010